Richtig üben, so lerne ich am besten!

“Ich will so gerne ein super Bassist werden, wie kriege ich das schnell hin?”

Als Antwort kann ich da nur sagen: schnell ist relativ! 😉 Kein Top-Musiker auf dieser Erde ist eines Morgens aufgewacht und konnte sein Instrument perfekt spielen! Üben, üben, üben heißt da die Lösung! Und abhängig von der Intensität, der Begeisterung und der Freude, mit der du dich mit deinem Bass beschäftigst, geht es dann schneller oder dauert es vielleicht etwas länger. Wenn du erst einmal ein paar Jahre spielst, wirst du ein paar Monate mehr oder weniger nicht mehr wichtig finden. Es gibt allerdings ein paar Faktoren, die dieses “länger” oder “schneller” beeinflussen können: 

Spaß

Eigentlich weiss es jeder und doch machen es die Wenigsten: Wenn wir Spaß haben, dann arbeiten wir viel effektiver, wesentlich kreativer und auch entspannter. Unser Gehirn funktioniert einfach viel besser, wenn wir mit Freude bei der Sache sind. Und das ist nicht nur beim Arbeiten so, sondern auch beim Lernen, Üben und natürlich auch beim Bass spielen! Denk dran: nicht zuletzt „spielst“ du ein Instrument und du „arbeitest“ es nicht!

Glück

Natürlich gehört auch eine Portion Glück dazu. Kannst du zum Beispiel immer üben, wann du es willst? Hast du überhaupt die Freiheit in deinem Leben, um dich musikalisch entfalten zu können? Laufen dir auch die “richtigen’ Musiker und Freunde über den Weg, die dich unterstützen und dich anspornen, die dir das Feedback geben, das du für deine Entwicklung brauchst? Über Letzteres brauchst du dir meiner Meinung nach keine großen Gedanken zu machen. Denn wenn du Vertrauen in dich selber hast und mit Begeisterung dabei bist, zieht das automatisch Gleichgesinnte an! Und sorge selbst für ein Umfeld und Lebensraum, in dem du dich bass-spielerisch entfalten kannst!

Musik machen!

Noch ein wichtiger Aspekt ist das gemeinsame Musikmachen! Du kannst zwar still und heimlich in deinem Kämmerlein ein Wahnsinns-Bassist werden, aber glaube mir, erst wenn du mit anderen Musikern spielst, kannst du tatsächlich dein Niveau bestimmen. Musik ist Interaktion und Improvisation, aufeinander reagieren, zusammen grooven und rocken. Musik sind deine Gefühle und Erfahrungen, die du durch dein Bass-Spiel mit anderen teilst. Mein Tipp: such dir so schnell wie es geht Mitmusiker! Trefft euch zum Austauschen eures musikalischen Könnens und seid kreativ. Jam-Sessions, Bands und das gemeinsame Musik machen mit anderen sind wichtige Bestandteile bei deiner musikalischen Entwicklung und beim Weiterkommen auf deinem Bass!

Was üben?

Unabhängig davon, wie lange und wie viel du übst, ist es natürlich wichtig, auch das Richtige zu üben! Du kannst stundenlang auf deinem Instrument rumdaddeln und die beste Zeit deines Lebens haben, ohne auch nur einen Meter vorwärts zu kommen. Gerade weil Bass spielen so viel Spass macht, lässt man sich gerne hinreissen, die Sachen zu spielen, die man schon kann. Wichtig ist allerdings, dass du dich selber auch ein bisschen herausforderst. Ein kleiner sportiver Gedanke beim Üben ist vielleicht gar nicht verkehrt. Damit meine ich Sachen wie das Tempo steigern oder auch mal etwas ganz langsam spielen; mal sehen, ob’s dann auch noch groovt und wie sauber es dann klingt?

Ich höre oft die Frage: “Ich übe doch schon mehrere Stunden am Tag, wieso werde ich nicht wirklich besser?” Meistens hat das ganz einfache Ursachen:

  1. Vielleicht wirst du besser, du siehst es selber nur nicht, weil du den nötigen Abstand, die nötige Objektivität nicht hast. Du bist zu sehr mit dir selber und deinem Spiel beschäftigt, um Übersicht und Urteil über dich selber zu haben. Mein Rat in solchen Fällen: üb etwas weniger! Mach öfter mal eine kleine Pause, um wieder zu Atem zu kommen. Lass den Stoff mal ein bisschen sacken und greif ihn erst nach ein paar Tagen wieder auf. Das hilft manchmal Wunder!
  2. Du spielst und übst die falschen Sachen! Wenn man an seine Grenzen kommt, kann das konfrontierend sein. Natürlich ist es nicht gerade spassig, dahinter zu kommen, dass man etwas nicht kann. Und oft entweicht man dieser Konfrontation, wechselt das Thema und spielt dann doch schnell wieder etwas, was man gut beherrscht und was einem Spass macht. Mein Tipp: das Erlernen eines Instruments ist wie eine grosse Entdeckungsreise und auf dem Weg zu seinem Ziel muss man eben gewisse Hürden erst überspringen. Bei jeder Hürde sollte man sich Fragen, was sie schwierig macht, wo sie her kommt, warum sie da ist und wie man sie Schritt für Schritt dann doch überwinden kann. Oft liegt es gar nicht an der Sache selbst, sondern an anderen Kleinigkeiten, die man erst üben muss, um sein Ziel zu erreichen. Denk dir bei jeder spielerischen Schwierigkeit einfach schnell ein paar Technik-Übungen dazu aus. Isoliere die schwierige Stelle und untersuche sie mit einer Art Lupe, um zu schauen, wie du das Problem am besten lösen kannst. Liegt es an deiner linken oder an deiner rechten Hand? Oft vergisst man auch, dass man zwei Hände hat und ein Problem kann zum Beispiel mit einem anderen Anschlag ganz einfach gelöst sein. Lass dich also nicht entmutigen, sondern sieh alles als eine Herausforderung! 
  3. Du lässt dich zu schnell ablenken. Heutzutage gibt es so viele Informationen zu denen man einfach so Zugang hat… Viel zu viele eigentlich! Das Internet ist übersät mit toller Musik, mit tollen Bassisten, mit Infos über Equipment, mit Bildern und Filmen von Idolen und Träumen. Wow! Was hätte ich damals dafür gegeben, um all diese Information zur Verfügung gehabt zu haben! Das Internet ist wirklich eine enorme Fundgrube. Das Erschreckende ist jedoch die menschliche Neigung, alles entdecken zu wollen, alles wissen zu wollen, alle Techniken beherrschen können zu wollen, alle Stile spielen können zu wollen, usw. Und oft hortet man das Wissen, ohne es anzuwenden. Anstelle bei einem Thema zu bleiben und dieses bis auf den Grund hin zu erforschen und es sich eigen zu machen, springt man nach einem oberflächlichen Abgrasen schnell zum nächsten Thema. Man lässt sich viel zu schnell ablenken. Dass man heutzutage schon gar keine ganzen Alben oder CDs mehr kauft, sondern nur noch die einzelnen Titel, die einem gefallen, okay, an den Gedanken könnte ich mich noch gewöhnen, oder mich zumindest in eine solche Lage versetzen, aber dass man sich Songs nicht einmal mehr ganz anhört, dass finde ich schon eine harte Nummer! Will man denn gar keinen Tiefgang mehr erleben? Keine Story mehr hören, über die gesungen wird? Keinen musikalischen Spannungsbogen erleben? Jeder darf natürlich selber entscheiden, wie er mit Informationen umgeht, doch für das Erlernen eines Instruments ist mein Tipp: lass dich nicht zu schnell ablenken! Zu schnelle Wechsel der Themen führen zu oberflächlichem Musizieren. Spielen lernen braucht einfach seine Zeit und das ist auch gut so, denn das wird sich positiv in der Form von Tiefgang in deiner Musik verewigen!

“Es gibt so viele Informationen, so viele Sachen, die ich lernen und üben kann, wo soll ich bloß anfangen?”

Eigentlich ist es egal, wo du anfängst. Hauptsache, du fängst überhaupt an! Wähle etwas was du toll findest, was dir Spass macht. Du wirst schnell dahinter kommen, ob es noch zu schwierig für dich ist oder ob du es vielleicht bald spielen kannst. Versuch herauszufinden, was es benötigt, um zum gewünschten Resultat zu kommen. Versuch ein großes Vorhaben in kleine Stückchen zu unterteilen! Das macht es übersichtlicher und du kommst systematischer und demnach auch schneller zum Ziel. Willst du zum Beispiel ein Lied lernen? Nimm erst das Intro oder die Strofe, bevor du am Refrain beginnst. Bei Florians Bassunterricht sind große Themen in kleine Teile eingeteilt, so dass du Schritt für Schritt an dein Ziel kommst und nicht von vornherein überfordert bist.

 
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Ziele

Eins der wichtigsten Dinge für eine gute Entwicklung auf deinem Bass, ist das Setzen von Zielen! Wenn ich von Zielen spreche, denkst du vielleicht an große Träume wie “ein berühmter Bassist werden” oder “eine eigene CD rausbringen”. Doch das sind viel zu große und ungenaue Begriffe. Viel wichtiger sind zuerst die mittelfristigen Ziele und dass du diese so spezifisch wie möglich formulierst. Zum Beispiel:

  • “Ich möchte E-Bass so gut spielen können, um mich von meinem Alltag zu erholen – um einen Ausgleich zu finden.”
  • “Ich will E-Bass spielen, um jederzeit einfach drauf losgrooven zu können.”
  • “Ich will mindestens so gut werden, dass ich in eine Band einsteigen – und vor allem mithalten kann.”

Das sind drei Zielformulierungen, die dich motivieren können und gleichzeitig realistisch erreichbar sind. Jetzt geht es darum, diese mittelfristigen Ziele noch konkreter zu machen und in kleine Aufgabenbereiche einzuteilen. Was benötigt es, um drauf losgrooven zu können oder um mit einer Band zu spielen? Noch konkreter: Was ist deine Lieblingsmusik, die du in einer Band spielen würdest? Fang mit deinem Lieblingssong an! Und schon hast du ein konkretes, erreichbares Ziel, das dich näher an dein großes Vorhaben bringt.

Deine Ziele können natürlich noch viel spezifischer sein und am besten ist es eigentlich, sie so genau wie möglich zu formulieren: z.B.: “Ich probiere diese Basslinie jetzt bei Tempo 60 bmp zu spielen und nachher will ich sie bei Tempo 100 spielen können…”

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Zeit

Wie gehst du am besten mit deiner Zeit um? Wie holst du das meiste aus deinen kostbaren Stunden?

Eigentlich fließen hier die meisten oben besprochenen Dinge mit ein: Hab Spaß! Lass dich nicht ablenken! Konzentrier dich auf eine Sache zugleich! Setz dir konkrete Ziele!

Mein Tipp zum “Zeitmanagement” ist folgender: Nimm dir tatsächlich Zeit, Raum und Ruhe, um zu üben. Damit meine ich keine Emails, die zwischendurch reinkommen, keine SMS, die auf Antwort warten, kein Telefon, dass dich aus deiner Übezone rausholen kann und nicht zu viel (und zu schnelles) surfen im Internet! Das sorgt dafür, dass du tatsächlich auf einmal Zeit hast und dein Gehirn auch die Chance kriegt, kreativ zu werden und sich entfalten kann. Mit Ablenkung geht das nicht.

Die Zeitspanne, in der du üben kannst, sollte nicht zu kurz sein. Also minimal 10 Minuten, besser sind aber natürlich ein bis zwei Stunden, abhängig von deinem Niveau. Musikstudenten üben bis zu 6 oder 8 Stunden pro Tag. Wichtig ist, dass du regelmässig übst! Es hat wenig Effekt, wenn du am Montag eine Stunde spielst und dann erst wieder 12 Tage später. Dann lieber kürzer, aber regelmässig. Zum Beispiel jeden Tag eine halbe Stunde oder 20 Minuten. Wenn das nicht geht, eben einfach so oft wie möglich. Es ist eigentlich vergleichbar mit Sport. Wenn du trainieren willst, musst du es auch regelmässig tun, sonst hat es keinen oder nur sehr wenig Effekt.

Bei der tatsächlichen Übestruktur rate ich dir, den Stoff auch wieder in kleine Teile zu teilen, diese zu perfektionieren und später dann zum Ganzen zusammenzuführen. Spiel zum Beispiel erst den einen Teil des Songs gut und richtig, bevor du mit dem anderen Teil beginnst. Spiel nicht gleich immer alles von vorne bis hinten, so dass sich kleine Fehler einschleichen können, die du später schwieriger wieder weg bekommst und der Song ungenau wird.

Wenn du doch die Möglichkeit hast, mehrere Stunden am Tag zu üben, teil sie dir ein und mach Pausen! Dein Gehirn kann sich nur eine gewisse Zeitspanne konzentrieren, dann braucht es einen Break. Aus meiner Erfahrung sind Einheiten von 45-60 Minuten gut, aber das kannst du für dich persönlich sicher besser entscheiden.

Beiß dich nicht fest! Natürlich willst du eine Übung auch gut spielen können, aber pass auf, dass du dich nicht an einer Sache festbeißt. Auch hier hilft Regelmäßigkeit oft mehr als Übereifer. Lass den Übungsstoff wirken und mach ein andermal damit weiter. Ein gutes Hilfsmittel dafür ist ein Timer, den du dir auf 5-10 Minuten stellen kannst. Der wird daran erinnern, dass du gezielt übst und deine kostbare Zeit nicht verdaddelst. Jedes Mobiltelefon besitzt einen solchen Timer, es geht aber natürlich auch die altbewehrte Eieruhr. Der Vorteil daran: du hast gleich ein Metronom parat! 😉

Fingerübungen kann man sehr gut beim Fernsehen machen. Nicht, dass ich dich zum Fernsehschauen anmutigen will, aber bei repetierenden Bewegungsabläufen ist ein bisschen Ablenkung gar nicht schlecht, da du dich dann auf zwei Sachen gleichzeitig konzentrieren musst. Dabei meine ich nicht beim Raussuchen der Fingersätze. Dann muss der Fernseher aus! Aber wenn du weisst, was du spielen musst und du musst lediglich “Kilometer machen”, das geht auch gut während deiner Lieblingsserie! 🙂

 

Aber jetzt genug gelesen!

Ran ans Üben und vor allem…

viel SBass!

     Florian Friedrich

 
 
 
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